
3. Ein Donut für alle, den einige überproportional stark angefressen haben
Nachdem wir in Teil 1 der Artikel-Serie 6 Dinge, die Du über Nachhaltigkeit wissen musst auf die Hybris des Homo sapiens und planetare Grenzen eingegangen sind, zeigen wir Euch in diesem Teil, inwieweit einzelne Länder zur Belastung der planetaren Grenzen beitragen.
Das Model der 9 planetaren Grenzen zugrunde legend, haben diese Ökonomen und Wissenschaftler fünf Indikatoren der planetaren Belastungsgrenzen (Klimawandel, Phosphorbelastung, Stickstoffbelastung, Süßwasserverbrauch (Blaues Wasser) und Landnutzungsänderungen) auf Pro-Kopf-Äquivalente heruntergerechnet und diese mit konsumbasierten Umweltindikatoren (Fußabdrücken) auf nationaler Ebene verglichen.
Zusätzlich haben sie zwei separate Fußabdruckindikatoren (ökologischer Fußabdruck und Materialfußabdruck) einbezogen und diese mit ihren vorgeschlagenen maximal nachhaltigen Werten verglichen:


Mithilfe dieses Modells eines „sicheren und gerechten Raums“ analysierten die Ökonomen und Wissenschaftler die historische Dynamik dieser Indikatoren in über 140 Ländern von 1992 bis 2015 und berechneten „Business-as-usual“-Projektionen bis 2050.
Quelle: https://goodlife.leeds.ac.uk/national-trends/country-trends/#DEU
Und die Prognose sieht für Deutschland im „Businss-as-usual“ Szenario nicht gut aus:

Für die USA musste ich zweimal auf der Website herauszoomen, um die Überschreitung der Grenzen auf der Bildschirmaufnahme einzufangen:
Und wer jetzt denkt „aber China …“, der schaut sich mal diesen Verlauf an:
Dabei darf man nicht vergessen, dass China – wie viele andere Länder – von den „Industrienationen“ einschließlich Deutschland als bequeme verlängerte Werkbank genutzt wurde. Dort wurde über Jahrzehnte billig und ohne wesentliche Beachtung der Auswirkungen auf die Lebensgrundlagen produziert – teilweise heute noch. Sich dann zu erheben und zu sagen „aber die Chinesen“ ist ungefähr so, als würdest Du Dich beim Koch beschweren, weil er für die Zubereitung Deines Essens Energie verbraucht.
Und während Deutschland immer noch über Wärmepumpen diskutiert, hat China 2024 bereits über 625 Milliarden Dollar in saubere, erneuerbare Energien investiert – ein Drittel der weltweiten Investitionen und mehr als jedes andere Land. Damit hat China das Ziel für Wind- und Solarkapazität bis 2030 schon 2024 erreicht. Sechs Jahre früher als geplant war. Und ja, China baut noch Kohlekraftwerke. Aber warum schauen wir immer nur auf das Schlechte? Wenn jemand 10 km läuft, sagt ja auch niemand: „Ja, aber die ersten 100 Meter ist sie gegangen.“ Wir könnten uns einfach mal abgucken, was klappt. Investitionen. Skalierung. Tempo. China macht nicht alles richtig, aber es macht, massiv. Und dadurch wird sauberer Strom auch bei uns günstiger. Know-how, Windkrafttechnik, Solarmodule – davon profitieren wir alle. „Aber China“ hat ausgedient. Es ist eine faule Ausrede, um selber nichts ändern zu müssen.
Dass der Donut anders aussehen kann, zeigen Länder wie Costa Rica (und jaha, es ist keine „Industrienation“). Trotzdem schön zu sehen, dass es Länder gibt, die fast innerhalb der planetaren Belastungsgrenzen wirtschaften:
Hier kannst Du sehen, wie Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern abschneidet.
Um das einmal in aller Deutlichkeit zu sagen: Diese Veränderungen stellen keine „links-grün versiffte Vokeness“, sondern physikalische, messbare Fakten dar. Und im Gegensatz zu Meinungen, hat nicht jeder Mensch ein Recht auf eigene Fakten. Und sie kommen uns jetzt schon teuer zu stehen, wie Daten des Gesamtverbands der Versicherer (GDV) zeigen, da wir für die Folgen der Zerstörung unserer Lebensgrundlagen jetzt schon zahlen – Tendenz steigend. Denn Extremwetterereignisse spiegeln sich auch direkt im Schadensaufkommen an Wohngebäuden wider. CORRECTIV.Lokal hat dies in den 16 Bundesländern verglichen anhand von Daten des GDV zwischen 2002 und 2022. Mit jährlich durchschnittlich 10.683 € Versicherungsschaden durch Klimaschäden pro versichertem Wohngebäude liegt Rheinland-Pfalz / Saarland auf Platz 1, gefolgt von Bayern mit 7.631 €:

Bis 2050 werden sich die gesamtgesellschaftlichen Schäden laut Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und der Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) auf mindestens 900 Milliarden Euro belaufen, sollten die Temperaturen stark steigen. Und so könnte es nach Schätzungen des Gesamtverbands der Versicherer innerhalb der nächsten 10 Jahren sogar zu einer „Verdopplung der Prämien für Wohngebäudeversicherungen kommen“, die über steigende Nebenkosten auf Mieter umgelegt werden. Und die Prognosen sind nicht rosig. So musste die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) jüngst eine schon schlechte Prognose verschlechtern, die da lautet: Wir werden voraussichtlich bis 2027 die kritische Schwelle von 1,5 °C globaler Erwärmung (2015 im Pariser Abkommen festgelegt, um die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden) überschreiten – mehr als ein Jahrzehnt früher als bisher angenommen. Aktuelle Trends deuten auf eine Erwärmung von etwa 2,5 °C hin.

Als sich unser Ex-Wirtschaftsminister Dr. Robert Habeck für den Schutz unserer Lebensgrundlagen aussprach, wurde er öffentlich zur besten Sendezeit als „Klimanationalist“ diffamiert. Frage für einen Freund: Was soll denn ein „Klimanationalist“ sein? Schön, wenn das Klima eine Nation wäre – hoffentlich mit einem Militär, um sich gegen seine Umgestaltung zu wehren.
Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie Wissenschaftler sich fühlen müssen, wenn ihrer Arbeit und ihren Ratschlägen kein Gehör verschafft wird, empfehle ich dieses Video mit Politökonomin und Gesellschaftswissenschaftlerin Prof. Dr. Maja Göpel Minute 29:09 - 31:15 (und wer Lust hat, guckt sich das ganze Video an, um sich das Ausmaß des Fremdschämens für diesen „Moderator“ mal zu geben, besonders ab Minute 5, wo er diese hochkarätige Expertin mit absoluten Nonsense Fragen löchert, die er NIEMALS einem Mann gestellt hätte).
Während man sich in Deutschland vom „überbetonten Klimaschutz“ verabschiedet, greift der Premierminister der kanadischen Provinz Manitoba, Kinew, im Frühjahr 2025 zu anderen Menschenschutz-, ach nee, sorry, geht ja nur um den Klimaschutz, Maßnahmen: Er ruft die Bevölkerung auf, um Regen zu beten. Was sich anhört, wie aus einem mediokren Blockbuster ist „Realwirtschaft“, wenn ein Land mit den schlimmsten Waldbränden in seiner Geschichte kämpft. Auch gläubige Moslems der afghanischen Provinz Badakschan beteten in einer speziellen Zeremonie für Regen, bewacht von einem Taliban-Kämpfer. Ist manchen wohl sehr wichtig, dieses Klima.
Die oben genannten Studien – und viel mehr noch der politische Umgang mit diesen – zeigen 1:1 das, was Journalist Dirk Steffens so zusammenfasste: „Wir verhalten uns wie ein Affe am Schaltpult eines Kernkraftwerks. Er ist schlau genug, die Tasten zu benutzen, aber er hat keine Ahnung, was passiert, wenn er eine bestimmte Taste drückt. Wenn es gut läuft, geht nur auf der Toilette das Licht aus. Wenn die Dinge schlecht laufen, kommt es zur Kernschmelze.“
Aktuell sind schon in 6 von 9 Räumen die Sicherungen rausgeflogen und wir wissen nicht, wann die nächsten rausfliegen und wann der Moment kommt, in dem wir die Sicherung nicht mehr einfach umlegen können.
Das Makabere daran: Die Länder, die am wenigsten für den menschengemachten Klimawandel, samt seiner Konsequenzen, können, leiden am stärksten.
Denn den Preis für die Erwärmung unseres Planeten zahlen die, die am wenigsten eingeheizt haben: Auf Hitze folgt Dürre. Auf Dürre Schädlinge und zerstörte Ernten. Auf Ernteausfälle folgen Hungerlöhne. Auf Hungerlöhne existenzielle Risiken. Millionen Kleinbauern kämpfen ums nackte Überleben. Hier regen wir uns dann auf, dass Kaffee und Kakao und andere Lebensmittel „wieder einmal“ teurer geworden sind. „Diese Inflation. Diese Ampel-Regierung. Früher war alles besser.“ Und zack versprechen Politiker „Bürokratieabbau“ – gerne auch bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung von Unternehmen. Als ob das etwas an physikalischen Fakten ändert. Sie sind es am Ende des Tages, die die Preise für Lebensmittel und Produkte bestimmen.

Und so leiden die, die am Anfang von „Lieferketten“ stehen, am meisten. Vor allem unter denen, die von diesen „Lieferketten“ profitieren und sicher auf ihren Jachten und in ihren Häusern sitzen. Womit hat dieser Yacht-Eigner nochmal sein Geld gemacht? Ach, ja, mit Kaffee in Papier-Einweg-Bechern und Plastik-Mehrweg-Behältern, die man sich als „To-Go-Statement“ für übertrieben viel Geld dazu kaufen kann. Cool.
Wer diese schreiende Ungerechtigkeit nicht wahrnimmt und begreift, wie „dieses Klima“ zum idealen Nährboden für Konflikte, Terror und Flucht wird, der hat nichts verstanden.
In Teil 3 unserer Artikel-Serie 6 Dinge, die Du über Nachhaltigkeit wissen musst, zeigen wir Euch, was es mit den sog. Overshoot Days auf sich hat.